Sahra, Karl und die „Nationale Souveränität“

Von Jörg Prelle

Ich habe zwar genug Sorgen, aber die Sorge um die “Deutsche Souveränität” ist bei mir notorisch unterentwickelt. Das gilt für nationale Souveränitäten eigentlich generell.

Immerhin habe ich damit eine Sorge weniger als Sahra Wagenknecht. Zitat FAZ: Wagenknecht verwies demnach auf ein von den Chefs von fünf EU-Institutionen – EU-Kommission, Europäischer Rat, EU-Parlament, EZB und Euro-Gruppe – vorgelegtes Papier zur „Rettung der Euro-Zone“. An diesem Papier sei deutlich zu erkennen, „wohin die Reise mit dem Euro gehen soll“. „Alles deutet darauf hin, dass es immer mehr Integrationsschritte gibt, die jede nationale Souveränität erledigen“, kritisierte die Linkspolitikerin.

Da Fragen der “Nationalen Souveränität” im 19. und 20. Jahrhundert gerne mit teilweise verheerenden Konsequenzen diskutiert wurde, hören wir mal auf einen ‚kritischen Chronisten‘ dieser Zeit, Karl Marx, im Zusammenhang mit der sogen. Deutschen Reichseinigung unter der Ägide des preußischen Kasernenhofs. “Dass es (Deutschland) eine Einheit in der preußischen Kaserne findet, ist eine Strafe, die es reichlich verdient hat. Aber ein Resultat ist selbst unmittelbar gewonnen. Die kleinlichen Lumpereien, wie zum Beispiel zwischen den nationalliberalen Norddeutschen und volksparteilichen Süddeutschen werden nicht länger im Wege stehen. Die Verhältnisse werden sich auf großem Maßstab entwickeln und vereinfachen“.

In die Zeitmaschine gesetzt, verteidigt Sahra Wagenknecht gerade die Souveränität des – sagen wir – liberaleren Großherzogtums Baden gegen das Kasernen-Preußen. Das hätte ja damals vielleicht eine sympathische Anmutung gehabt, bewegt sich aber genau auf der Ebene, die Karl Marx, die „kleinen Lumpereien“ nennt. 150 Jahre später jedenfalls, in der Auseinandersetzung um die innere Verfassung einer europäische Union, muss die Linke „die Verhältnisse auf großem Maßstab entwickeln und vereinfachen“. Dass eine Europäische Linke das nicht macht und kann, ist alleine ihr eigenes Defizit und um so mehr eine künftige Herausforderung. Mehr Integration und nicht einen Millimeter weniger. Und das Diese demokratisch legitimiert und gewollt ist – das muss und sollte dann unsere Sorge sein. Um ‚Nationale Souveränität‘ kümmern sich schon unsere Gegner – und die diversen Querfront-ProtagistInnen sowieso.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/linkspartei-wagenknecht-stellt-euro-infrage-13761238.html