Gehrcke an Lammert – nur peinlich

Von Michael Riese

Die Augustausgabe der Zeitung „Das Parlament“, die von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wird, beschäftigt sich thematisch mit Russland.

Im Leitartikel „Der Putin-Komplex“ warnt der Historiker Gerd Koenen vor seiner Meinung nach friedensgefährdenden „Putin-Doktrin“. Er vergleicht diese mit den „Breschnew-Doktrin“, mit denen seinerzeit die Sowjetunion für sich das Interventionsrecht in ihrem Einflussbereich beanspruchte. Koenen warnt eindringlich vor einer Appeasement-Politik gegen die aggressive russische Politik, vor allem seitens Deutschlands.

Dies treibt Wolfgang Gehrcke zu einer Beschwerde bei Bundestagspräsident Lammert. Darin wirft er Koenen Einseitigkeit, antirussischen Ressentiments und geschichtsrevisionistischer Sprache vor. Einen Beleg oder Erläuterungen bleibt Gehrcke schuldig. Offenbar glaubt Wolfgang Gehrcke, eine Philippika aus seinem Munde würde als Wahrheitsbeweis an sich schon hinreichend sein.

Da bricht sich ein Politikstil Bahn, den man in der politischen Gefolgschaft der Sowjetunion pflegte und glaubte, man erledige die politische Debatte, wenn man jemanden mit dem Bannstrahl des Antisowjetismus belegte. Gehrcke erregt sich darüber, dass Koenen es wagen könne, die Riege der Prominenten zu kritisieren, die seiner Auffassung nach, die russische Politik verharmlosen würden. Aber man muss Wolfgang Gehrcke zurückfragen, warum eigentlich nicht.

Gehrckes Brief an Lammert ist politisch dumm und peinlich.

Der Putin-Komplex
Das „Parlament“und Russland