Es war Landesparteitag in Hessen – ein paar Anmerkungen

Schiedsrichter: „Ich verwarne Ihnen!“
„Ente“ Lippens: „Ich danke Sie“ (*)

Erinnert sich noch jemand an die nachdenklichen Beiträge, selbst in der hessischen LINKEN, nach
dem Desaster der jüngsten Europawahl? Wenn ja – kannste vergessen. Der Mainstream ist schon
wieder im alten Fahrwasser: Ein Landesvorsitzender, der bei seiner Einbringungsrede zum Leitantrag
ausdrücklich darauf hinweist, daß da alles drin steht was wir immer so schreiben und das das richtig
ist, das wir das immer wieder schreiben, weil es ja immer noch so sei wie es da steht (lassen wir mal
offen, ob die Elendsbeschreibungen tatsächlich die Realität in der Bundesrepublik in Gänze
widerspiegeln), statt wenigsten mal die Frage zu stellen, warum es nix genutzt hat, daß wir es immer
wieder aufgeschrieben haben und dann als zweites fragen würde, was wir denn an dieser
Erfolglosigkeit ändern wollen sondern stattdessen das Mantra aller Erfolg- und Ratlosen „weiter so“
als Parteilinie ausgibt.
Eine Fraktionsvorsitzende im Landtag, die, nach 12 Jahren LINKE, 6,2% bei der Landtagswahl als
großen Erfolg darstellt und als eigentlich schlimmste Form des Kapitalismus den „grünen
Kapitalismus“ geißelt.
Ein Parteitag, der mehrheitlich beschließt, daß die SPD unfähig sei (jetzt?, für immer?)sich von der
Agenda Politik zu distanzieren, als Vorspiel zum Antrag ein Politikwechsel mit SPD und GRÜNEN sei
nicht möglich, tut ja nichts anderes, denn Politikunfähigkeit als Ziel der LINKEN festzulegen.
Ein Parteitag, der zwar mit großer Geste beschließt SUVs zu verbieten (auch den von DACIA, der
kleiner ist als mancher PKW und den der VdK Menschen empfiehlt, die Probleme beim Einsteigen ins
Auto haben?) aber kein relevantes Aktionsprogramm zum Klima hinbekommt und sich stattdessen in
die Beschwörungsformel flüchtet das System müsse geändert werden bevor es mit dem Klima
aufwärts geht. Nur was machen wir so lange? Wir lassen die Leute, die jetzt was tun wollen, GRÜN
wählen und beschimpfen sie dann, daß sie nicht konsequent sind.
Nun neigen ja alle Parteien dazu auf ihren Parteitagen auch Zeugs zu beschließen, das keine
Auswirkungen hat, aber wir beschließen nur so ein Zeug. Wie erfrischend im Unterschied zu den
ganzen gestanzten Reden das Grußwort der Vorsitzenden aus Thüringen. Da merkte man: Dort ist
unsere Partei dabei das Leben der Menschen real besser zu machen, statt nur darüber zu reden wie
es sein wird, wenn alles anders ist. Allerdings: Eine Partei die für die Leute keinerlei Gebrauchswert
hat – wer braucht die dauerhaft?
Die Europawahl war die Verwarnung. Wir sollten aufpassen, daß wir von den WählerInnen, den
Schiedsrichtern in der Politik, nicht vom Platz gestellt werden.
(*) Dieser Diskurs zwischen dem damaligen Fußballspieler Lippens, u.a. bei Rot Weiß Essen und dem
Schiedsrichter ist verbürgt. Das Ergebnis war, da der Schiedsrichter sich nicht ernst genommen fühlte,
stellte er Lippens vom Platz.

Dieter Storck, 21.10.2019