Der 13. August – Tag für Erinnerungen

An einem 13. August (1961) begann der Mauerbau, den die Führung der SED meinte zum Schutz des Aufbaus ihres Sozialismus durchführen zu müssen.

Ebenfalls an einem 13. August (1871) wurde Karl Liebknecht geboren. Er mußte aus der SPD austreten und machte mit bei der Gründung des Spartakusbundes und dann der KPD um den Weg zum Sozialismus weiter gehen zu können, den er für sich als den richtigen eingeschlagen hatte.

Mit dem Datum 13. August erschöpfen sich allerdings die Gemeinsamkeiten der Protagonisten. Während die SED Führung sogenannte „Republikflüchtlinge“ per Befehl an der Mauer erschießen ließ, wurde Liebknecht von der Reaktion erschossen. Wobei nicht ungesagt bleiben darf, dass der sozialdemokratische Volksbeauftragte für Heer und Marine, Gustav Noske, keine Einwände hatte. 

Hieß es in der ersten programmatischen Erklärung des Spartakusbundes, auf die Liebknecht Einfluss nahm: „Der Spartakus-Bund wird nie anders die Regierungsgewalt übernehmen als durch den klaren unzweideutigen Willen der großen Mehrheit der proletarischen Masse in ganz Deutschland, nie anders als kraft ihrer bewussten Zustimmung zu den Ansichten, Zielen und Kampfmethoden des Spartakus-Bundes.“, so ersetzte die SED Führung die Zustimmung der Massen durch gefälschte Wahlen.

Während Liebknecht Militär und Militarismus geißelte und den proletarischen Internationalismus als machtvolles Werkzeug gegen den Krieg propagierte, konnte sich die SED Führung gar nicht weit genug im Reigen der Bruderstaaten nach vorne drängen als es um die Militärintervention gegen die Bemühungen für einen demokratischen Sozialismus in der Tschechoslowakei ging. Wie gern wäre man mitmarschiert.

Wie unendlich weit hätte sich die von Liebknecht am 19. November 1919 ausgerufene „Freie Sozialistische Republik Deutschlands“ in ihrem „Führungsverhalten“ von diesem hier unterschieden: „Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei.“ (Art. 1 der DDR-Verfassung von 1968).

Während Karl Liebknecht seine Funktion als Reichstagsabgeordneter dazu nutzte die Regierenden zu kritisieren, degradierte die „Staats- und Parteiführung der DDR“ das Parlament, die Volkskammer, zum Akklamationsapparat eines Lügengebäudes.

Nun könnte man sagen: Beide sind gescheitert, sowohl die Mauerbauer als auch der Sozialist Liebknecht. Allerdings und darin liegt der Unterschied: Der Ruf „Wir sind das Volk“ forderte das Ende des SED Staates ein, verbunden mit der Hoffnung auf ein besseres, freieres Leben. Und darin setzte sich, sicher nicht in gradliniger Weise, die Vision Liebknechts nach eben einer solchen freien Gesellschaft fort. Während von den Mauerbauern, nachdem ihre Rolle als abschreckendes Beispiel für den sogenannten real existierenden Sozialismus ausgelaufen ist, nichts bleibt. 

Das als Erinnerung für diejenigen in unserer Partei die zusammenknüppeln, verhaften, ermorden Oppositioneller in Cuba, Venezuela, Nicaragua, Russland … als notwendige Verteidigung des Sozialismus gegen den US Imperialismus oder sonst was rechtfertigen. 

Dieter Storck, 10.08.21